Bad Gandersheim: Comiczeichnerin Barbara Yelin erhält 50. Roswitha-Literaturpreis

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Die Stadt Bad Gandersheim hat den 50. Roswitha-Literaturpreis an die Comiczeichnerin und Autorin Barbara Yelin verliehen.

Die in München lebende Preisträgerin erhielt die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung am Sonntag, 1. November 2026, in der voll besetzten Stiftskirche, wie die Stadt Bad Gandersheim mitteilt. Die Verleihung stand im Mittelpunkt der Roswitha-Literaturtage, die das Literaturhaus Bad Gandersheim gemeinsam mit der Stadt veranstaltete. Mit ihnen endete das Themenjahr „Roswitha 2026 – Die 1.000-jährige Literaturstadt“.

Roswitha-Literaturpreis 2026
PreisträgerinBarbara Yelin, Comiczeichnerin und Autorin aus MünchenDotierung20.000 EuroVerleihungSonntag, 1. November 2026, Stiftskirche Bad GandersheimVeranstalterLiteraturhaus Bad Gandersheim und Stadt Bad Gandersheim

Ältester Literaturpreis nur für Frauen

Der Preis erinnert an die Kanonisse Roswitha von Gandersheim, die im 10. Jahrhundert im Stift Gandersheim Legenden, Dramen und historische Gedichte schrieb. Die Stadt bezeichnet sie als erste deutsche Schriftstellerin. Nach Angaben der Stadt ist der Roswitha-Preis der älteste Literaturpreis Deutschlands, der ausschließlich an Frauen vergeben wird.

Bürgermeister Niklas Kielhorn überreichte Yelin eine Urkunde, die der Künstler Micha Kloth eigens angefertigt hatte. Grußworte sprachen Staatssekretär Frank Doods für die Niedersächsische Landesregierung, der Northeimer Landrat Simon Hartmann und Björn Mittendorf von der Volksbank eG Bad Gandersheim. Die Laudatio hielt Andreas Platthaus, Ressortleiter Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Mitglied der Jury.

„Barbara Yelin zeichnet Lebensgeschichten und stellt dabei Fragen, die uns alle betreffen: Wann sehen wir hin? Wann schauen wir weg? Und wie übernehmen wir Verantwortung?“Niklas Kielhorn, Bürgermeister von Bad Gandersheim

Comics über Wegsehen und Erinnerung

Für ihren Comic-Roman „Irmina“ griff Yelin auf Dokumente ihrer eigenen Großmutter zurück und setzte sich mit Mitläufertum und Wegsehen im Nationalsozialismus auseinander. „Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung“ entstand aus Gesprächen mit der Holocaust-Überlebenden. Die Jury hebt in ihrer Begründung hervor, dass Yelin „in ihren Geschichten konsequent Frauen in den Mittelpunkt stellt“.

Bei der Verleihung zeichnete Yelin live: In der Performance „Palimpsest I: Aus dem Schatten einer Frau“ entstanden Bilder zu Roswithas Wirken, die auf eine große Leinwand übertragen wurden, begleitet von elektroakustischen Klängen des Komponisten Sina Fani Sani. Anschließend trug sich Yelin in das Goldene Buch der Stadt ein.

Lesungen ausgebucht, Lesung für Schüler zum Abschluss

Zu den Literaturtagen gehörten auch zwei vollständig ausgebuchte Lesungen: Heike Specht eröffnete am Donnerstag, 29. Oktober, die Literaturtage in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Literaturherbst. Lucy Fricke, Roswitha-Preisträgerin von 2024, las am Sonnabend, 31. Oktober, aus ihrem Roman „Die Diplomatin“. Am 30. und 31. Oktober lief im historischen Kaisersaal ein zweitägiges Symposium über die Namensgeberin des Preises.

Zum Abschluss las Yelin am Montag, 2. November, Bad Gandersheimer Schülerinnen und Schülern aus ihrer Graphic Novel „Die Giehse – Ein Leben für das Theater 1898–1975“. Das erst vor knapp einem Jahr gegründete Literaturhaus will nach eigenen Angaben mit seinen Partnern weitere literarische Angebote entwickeln.

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