Fotos aus Göttingen und Braunschweig helfen Forschenden zu verstehen, wie das rote Leuchten von Polarlichtern entsteht. Die Aufnahmen stammen aus der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024, als ein Sonnensturm Polarlichter bis nach Südniedersachsen brachte. Das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) stellte die Ergebnisse am Dienstag, 3. November 2026, vor. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Annales Geophysicae.
Ein Foto vom nächtlichen Ausflug
In Göttingen fotografierten MPS-Direktor Sami K. Solanki und Klaus Reinsch vom Institut für Astrophysik und Geophysik der Universität Göttingen. „Ich habe schon viele Polarlichter in höheren Breiten gesehen. Über Göttingen sind sie eine Seltenheit. Das wollte ich unbedingt fotografieren“, sagt Solanki laut MPS. Um eine wissenschaftliche Nutzung sei es ihm zunächst nicht gegangen.
Über dem grünen Leuchten zeigte sich auf den Fotos ein rötlicher Schimmer, helle Strahlen setzten sich vom Rot ins Grün fort. „Strahlen, die sich kontinuierlich von der roten Aurora bis zur grünen Aurora erstrecken, wurden bisher in keiner wissenschaftlichen Veröffentlichung beschrieben“, sagt Erstautor Bruce T. Tsurutani, früher Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory der Nasa.
Theorien ließen sich bisher nicht überprüfen
Ein internationales Team, koordiniert von Yasuhito Narita von der TU Braunschweig, verglich die Aufnahmen mit Daten zum Sonnenwind und zu Störungen des Erdmagnetfeldes. „Dass sich die hellen Strahlen vom roten bis zum grünen Polarlicht fortsetzen, spricht dafür, dass in beiden Fällen derselbe physikalische Prozess am Werk ist“, sagt Narita. Laut MPS können rote Polarlichter ebenso wie grüne durch herabrasende Elektronen entstehen.
Rote Polarlichter treten laut Institut bei intensiven Sonnenstürmen in mittleren Breiten auf, typischerweise in 800 bis 200 Kilometern Höhe. Weil im Bereich der roten Polarlichter in der Regel keine Satelliten die Erde umkreisen, konnten die verschiedenen Theorien zum roten Leuchten demnach bisher nicht überprüft werden. Der Sturm vom Mai 2024 war nach Angaben des Instituts der zweitstärkste seit 1958.
So können Leser mithelfen
Seit 2024 waren über dem südlichen Niedersachsen laut MPS mehrfach Polarlichter zu sehen. Die Sonnenaktivität nehme derzeit ab, heftige Ausbrüche blieben aber möglich. Die Forschenden der TU Braunschweig bitten um Fotos künftiger Polarlichter, auch mit dem Smartphone. Die Belichtungszeit sollte nicht mehr als 6 Sekunden betragen, nur so seien die Strahlen zu erkennen. Ansprechpartner ist Yasuhito Narita unter theoretische-physik@tu-braunschweig.de.
Bildquellen
- Winterraps-Ernte neben Pappelreihen in Vechta: Sarah Choe
- Hörschnecke einer Mongolischen Rennmaus mit optischem Cochlea-Implantat: Institut für Auditorische Neurowissenschaften/Niels Albrecht
- Schraubenalge Spirogyra: Cäcilia F Kunz, Tatyana Darienko, Jan de Vries
- UMG Forschungsgruppenleitungen: umg/vanessa kruse
- Polarlicht über Göttingen, Mai 2024: Sami K. Solanki / Tsurutani et al., Annales Geophysicae (2026)
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