Im Landkreis Northeim sollen Notarzteinsatzfahrzeuge künftig nur noch an drei statt vier Standorten stationiert sein: in Northeim, Einbeck und Uslar/Bollensen. Der Standort an der Rettungswache Bad Gandersheim ist in der neuen Zielstruktur nicht mehr vorgesehen. Das hat der Kreistag in seiner Sitzung am Freitag, 2. Oktober, mit dem „Konzept Rettungsdienst Landkreis Northeim“ beschlossen – laut Ratsinformationssystem bei einer Gegenstimme.
Das Notarzteinsatzfahrzeug in Bad Gandersheim wird allerdings nicht sofort abgezogen. Nach dem Beschluss endet sein Betrieb im Laufe des Jahres 2027 und erst dann, wenn für einen Versorgungsbereich, der Bad Gandersheim einschließt, ein Akuteinsatzfahrzeug mit Gemeindenotfallsanitätern einsatzbereit ist. Dafür müssen unter anderem rechtliche, personelle, fahrzeugtechnische, organisatorische und leitstellenseitige Voraussetzungen erfüllt sein. Vor dem Vollzug wird der Kreisausschuss unterrichtet.
Was ein Gemeindenotfallsanitäter leisten soll
Das Akuteinsatzfahrzeug ist ein neues Einsatzmittel im Kreis. Besetzt wird es mit einer besonders qualifizierten Gemeindenotfallsanitäterin oder einem Gemeindenotfallsanitäter. Nach der Darstellung des Landkreises vom September soll es vor allem bei geeigneten, weniger zeitkritischen Notfällen ausrücken. Die Einsatzkraft kann die Lage vor Ort beurteilen, Patientinnen und Patienten versorgen und die weitere Behandlung steuern. Wird ein Notarzt gebraucht, kommt er weiterhin – je nach Lage mit einem Notarzteinsatzfahrzeug oder per Luftrettung.
Eingeführt wird das System laut Beschluss erst, wenn die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen sind. Im Raum Bad Gandersheim soll es, soweit fachlich und organisatorisch sinnvoll, in das Bundesmodellprojekt BürgerGesundheitsPark eingebunden werden. Die Kosten für Gemeindenotfallsanitäter und Fahrzeug trägt der Landkreis zunächst selbst und bringt sie in die Entgeltverhandlungen mit den Kostenträgern ein. Eine parallele Vorhaltung des bisherigen Notarzteinsatzfahrzeugs und des neuen Systems ist ausdrücklich nicht Teil des Konzepts.
Die Rettungswache Bad Gandersheim und die Versorgung mit Rettungswagen sind nach Angaben des Landkreises von der Änderung nicht betroffen.
Neue Wachen in Bodenfelde, Hammenstedt und Hardegsen
Alle fünf Rettungswachen – Northeim, Einbeck, Bad Gandersheim, Nörten-Hardenberg und Uslar/Bollensen – bleiben bestehen. Frühestens ab dem 1. Januar 2027 strebt der Landkreis den Betrieb von drei Satellitenwachen in Bodenfelde, Hammenstedt und Hardegsen an. Dort werden nach Angaben der Kreisverwaltung vorhandene Rettungswagen stationiert, zusätzliche Fahrzeuge kommen nicht hinzu.
Die Außenstelle in Dassel, die von der Einbecker Wache betrieben wird, soll ab Januar 2027 rund um die Uhr mit einem Rettungstransportwagen besetzt sein statt wie bisher zwölf Stunden am Tag. Die seit März 2026 eingesetzten Notfallkrankenwagen in Einbeck und Nörten-Hardenberg werden im März 2027 nach einem Jahr Betrieb bewertet. Die Telenotfallmedizin, über die der Rettungsdienst bei Bedarf zusätzliche ärztliche Unterstützung erhalten kann, soll flächendeckend zur Verfügung stehen.
Kosten und Zusammenarbeit mit Göttingen
Für die ersten Schritte – Satellitenwachen und Einstieg in das Gemeindenotfallsanitätersystem – rechnet der Landkreis mit Kosten von rund 750.000 Euro pro Jahr. In der Zielstruktur sollen sie durch den Wegfall des Notarztstandorts Bad Gandersheim ausgeglichen werden.
Der Kreistag beauftragte die Landrätin zudem, die gemeinsame Planung des Rettungsdienstes mit Stadt und Landkreis Göttingen weiter voranzubringen, insbesondere mit Blick auf die Einsatzleitstelle. Ziel sei es, die Versorgungssicherheit in Südniedersachsen zu stärken und gemeinsame Leitstellen- und Versorgungsstrukturen weiterzuentwickeln.
Für Hilfesuchende ändert sich nach Angaben des Landkreises nichts am Weg zur Hilfe: Im Notfall gilt weiter die 112. Die Leitstelle in Northeim entscheidet, welches Rettungsmittel ausrückt.
Das Konzept dient als Grundlage für den Rettungsdienstbedarfsplan 2027. Der Landkreis Northeim hatte es am 3. September vorgestellt. Vor der Entscheidung im Kreistag sollten nach dem damaligen Zeitplan der Ausschuss für Brand- und Katastrophenschutz und der Kreisausschuss darüber beraten.
Bildquellen
- Kreishaus Northeim: Gerd Fahrenhorst, CC BY 4.0, Wikimedia Commons
- Rathaus Northeim am Scharnhorstplatz: Dehio / Wikimedia Commons
- Fachplanung an einer Fachwerkwand (Fachwerk5Eck): Stefan Sobotta/Fachwerk5Eck
- Alkoholtest: Symbolbild – Foto: iStock
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