Von Sonntag, 1. November, bis Februar 2027 lädt das Göttinger Bündnis zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wieder zu seiner Veranstaltungsreihe ein. Auf dem Programm stehen Führungen, Konzerte, Vorträge, Workshops und ein Theaterstück. Es geht um NS-Verbrechen, um die Schicksale der Verfolgten, um Folgen bis heute und um historische Verantwortung. Das teilt das Bündnis mit, die Stadt Göttingen hat die Ankündigung veröffentlicht. Die Reihe gibt es seit 1997.
Drei Termine am 9. November
Am Montag, 9. November, erinnern drei aufeinanderfolgende Veranstaltungen an die Reichspogromnacht 1938 und die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung in Göttingen. Um 16.15 Uhr führt ein Rundgang durch Innenstadtstraßen, in denen jüdische Familien in jener Nacht terrorisiert wurden. Um 18 Uhr folgt am Mahnmal der Synagoge die traditionelle Gedenkstunde, an der Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums mitwirken; sie wird von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Göttingen und der Stadt organisiert. Um 19.30 Uhr spielt das Göttinger Projektorchester KlezPO ein Gedenkkonzert in der Reformierten Kirche.
Von der Gestapo bis zur Zwangsarbeit
Aus dem weiteren Programm: Eine Fahrradrundfahrt führt unter anderem zu ehemaligen Dienststellen der Gestapo und zum früheren Gerichtsgefängnis. Eine Ausstellung im Neuen Rathaus befasst sich mit dem NS-Völkermord an den Roma in der besetzten Sowjetunion. Führungen zu den Moringer Konzentrationslagern und durch die Ausstellung „Auf der Spur europäischer Zwangsarbeit – Südniedersachsen 1939–1945“ beleuchten die Geschichte der Region. Ein Workshop an drei Wochenenden begleitet Teilnehmende dabei, Erzählungen in der eigenen Familie über die Beteiligung am Nationalsozialismus zu untersuchen.
Weitere Themen sind die Lage von Shoah-Überlebenden in der Ukraine während der russischen Vollinvasion, über die der Berliner Verein KONTAKTE-KOНTAKTbI berichtet, ein Bildvortrag über jüdische Traditionen in US-amerikanischen Superhelden-Comics und eine Führung über den Erinnerungsweg Alexander Selchow in Rosdorf. Er erinnert an ein frühes Opfer tödlicher Gewalt durch Neonazis. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus informiert über Antisemitismus in Göttingen seit dem Massaker der Hamas 2023.
Zum Holocaust-Gedenktag lädt das Bündnis am Mittwoch, 27. Januar 2027, um 19 Uhr zu einer Gedenkveranstaltung ins Alte Rathaus ein. Unter dem Titel „Silvio Uhlfelder: Vertreibung, Neubeginn und die Sehnsucht nach Heimat“ geht es um die Familien Uhlfelder aus Berlin und Grünewald aus Beverungen, um Verfolgung in der NS-Zeit und die erzwungene Emigration nach Argentinien.
Bildquellen
- Strickzeug mit Nadeln (Symbolbild): Shisma, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
- Stadtbibliothek Göttingen im Thomas-Buergenthal-Haus: Julian Herzog, via Wikimedia Commons (bearbeitet)
- Kino Lumière Göttingen am Abend: Ralf König, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
- Göttingen: UMG-Neurologe spricht am 3. November über Multiple Sklerose: umg/frank stefan kimmel
- Mahnmal auf dem Platz der Synagoge in Göttingen: Hpschaefer reserv-art-de / Wikimedia Commons
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