Im Herbst 2016 begannen 66 Studierende in Pflege und Therapiewissenschaften. Heute lernen am Gesundheitscampus Göttingen rund 700 Studierende in neun Studiengängen, die Plätze sind nach Angaben der Betreiber voll belegt. HAWK und Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben das zehnjährige Bestehen ihrer Kooperation mit einer Feier in der Sheddachhalle gefeiert.
Der Campus im Sartoriusquartier entstand, um dem Fachkräftemangel in Gesundheitsberufen etwas entgegenzusetzen. Erste Gespräche zwischen den Hochschulen gab es 2013. Im Februar 2015 kündigte der damalige Ministerpräsident Stephan Weil den Campus im Rahmen des Südniedersachsenprogramms an, 2016 wurde der Kooperationsvertrag unterschrieben. Nach und nach kamen Medizintechnik, Soziale Arbeit im Gesundheitswesen, Hebammenwissenschaft und 2023 Orthobionik hinzu. Rund zwei Jahre war der Campus wegen Umbauarbeiten übergangsweise in einem früheren Telekom-Gebäude an der Philipp-Reis-Straße untergebracht, seit dem Wintersemester 2021 ist er zurück im Sartoriusquartier. Heute arbeiten auf dem Campus 90 Beschäftigte.
Ziel: mehr als 1.000 Studienplätze
Das Angebot solle in den kommenden Jahren auf mehr als 1.000 Studienplätze wachsen, sagte Christoph Rußmann, Dekan Gesundheit an der HAWK-Fakultät Ingenieurwissenschaften und Gesundheit. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi sagte, der Campus bündele Ausbildung, Forschung und Transfer an einem Ort.
Zwei Projekte hob Minister Philippi besonders hervor. Seit 1. Juli 2026 läuft unter Federführung der UMG das Projekt IPSO@GCG, das die Stiftung Innovation in der Hochschullehre mit 3,3 Millionen Euro fördert. Medizinstudierende und Studierende anderer Gesundheitsberufe sollen gemeinsam lernen und auf eigenen Ausbildungsstationen der UMG zusammen Patienten versorgen. Rußmann selbst erhielt im Juni 2026 als erster Wissenschaftler einer deutschen Hochschule für angewandte Wissenschaften einen ERC Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats. Sein Projekt FEMTOMICS wird mit 2,5 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert und verbindet Lasertechnik mit Genforschung und Künstlicher Intelligenz.
Bildquellen
- Herzmuskelgewebe mit Nervenverbindungen im 3D-Modell (UMG): Universitätsmedizin Göttingen (UMG)
- Alte Mensa in Göttingen: Dguendel
- Blühfläche aus heimischen Wildpflanzen bei Dinkelhausen: Stefan Schüler (Universität Göttingen)
- Prof. Dr. Bernd Niemann (UMG): umg/samer al mhethawi
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