Göttingen: Frauen und Jüngere nutzen Psychoonkologie bei Krebs häufiger

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Frauen und jüngere Krebspatienten nehmen psychoonkologische Unterstützung häufiger in Anspruch als Männer und ältere Menschen. Das ist ein Ergebnis einer Studie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), die in der Fachzeitschrift „Journal of Cancer Research and Clinical Oncology“ erschienen ist. Ausgewertet wurden Daten von 5.217 Patientinnen und Patienten, die zwischen 2020 und 2023 am UniversitätsKrebszentrum Göttingen (G-CCC) behandelt und psychoonkologisch gescreent wurden.

Hinter der Untersuchung steht ein Forschungsteam um Julia Schultke, Psychologin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der UMG, und Prof. Dr. Friederike Braulke, Geschäftsführerin des G-CCC. Geprüft wurde unter anderem, welchen Einfluss Alter, Geschlecht, psychische Belastung, Krankheitsstadium und die Art, wie der Unterstützungsbedarf erfasst wurde, auf die Inanspruchnahme haben.

Unterschiede auch bei längeren Gesprächen

Die Unterschiede zwischen den Gruppen zeigten sich laut UMG nicht nur darin, ob überhaupt Hilfe genutzt wurde, sondern auch bei der Zahl längerer Beratungsgespräche. Häufiger in Anspruch genommen wurde das Angebot außerdem von Patienten mit höherer seelischer Belastung oder fortgeschrittener Krebserkrankung.

Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Patienten (55,1 Prozent) gab es mindestens einen psychoonkologischen Kontakt. Am stärksten genutzt wurde das Angebot im Gynäkologischen Krebszentrum (83,1 Prozent) und im Brustkrebszentrum (77,0 Prozent) der UMG. Wer sich ausdrücklich Unterstützung wünschte, nahm sie zu 96,5 Prozent auch in Anspruch.

Psychoonkologen in allen Zentren

Das G-CCC vereint unter dem Dach des Onkologischen Zentrums 22 Zertifikate für 16 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Zentren. In allen Zentren stehen Psychoonkologinnen und Psychoonkologen zur Verfügung, die eng mit den Behandlungsteams zusammenarbeiten. Das ermögliche einen niedrigschwelligen Zugang, heißt es von der UMG.

Die Ergebnisse zeigten, dass man mit den bestehenden Versorgungsstrukturen viele Patientinnen und Patienten erreiche, die sich psychoonkologische Unterstützung wünschen, sagt Braulke. Die Daten hälfen zugleich, die Angebote noch genauer auf deren Bedarfe und Möglichkeiten anzupassen. Erstautorin Schultke betont, neben dem standardisierten Screening per Fragebogen sei es entscheidend, den individuellen Unterstützungswunsch zu berücksichtigen.

Was die Studie nicht erfasst

Einige Faktoren konnte die rückblickende Untersuchung nach Angaben der UMG nicht berücksichtigen, etwa psychische Vorerkrankungen, Sprachkenntnisse, eine Betreuung außerhalb des G-CCC und einen möglichen Einfluss der Kontakteinschränkungen während der Pandemie. Weitere Studien könnten helfen, mögliche Zugangsbarrieren besser zu verstehen. Die Originalveröffentlichung trägt den Titel „Predictors of the use of psycho-oncological care“.

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