Lagebild 2025: Niedersachsen zählt 65 Verfahren wegen Organisierter Kriminalität

2 Min. Lesezeit.

635 Tatverdächtige aus 41 Staaten, 65 Verfahren und ein hochgerechneter Schaden von 48,85 Millionen Euro: Das sind die Eckdaten des Lagebilds „Organisierte Kriminalität in Niedersachsen 2025“. Innenministerin Daniela Behrens und Justizministerin Dr. Kathrin Wahlmann haben es am Montag, 2. November 2026, vorgestellt. Nach den Auseinandersetzungen vom 13. Juni 2026 in Göttingen ermittelte die Polizei gegen Tatverdächtige aus zwei Großfamilien, die sie dem Bereich der Clankriminalität zuordnet.

Rauschgift bleibt der größte Bereich

Gegenüber 2024 sind die Zahlen gesunken: Damals bearbeiteten die Behörden im Auftrag niedersächsischer Staatsanwaltschaften 82 Verfahren gegen 712 Tatverdächtige aus 50 Staaten. Von den 65 Verfahren des Jahres 2025 entfielen laut den Ministerien 48 auf die Polizei Niedersachsen, elf auf den Zoll, fünf auf die Bundespolizei und eines auf das Bundeskriminalamt. 23 betrafen internationalen Rauschgifthandel und -schmuggel, im Jahr davor waren es 36.

Deutsche stellen mit 36,38 Prozent weiter den größten Anteil der Tatverdächtigen, 2024 lag er bei 45 Prozent. Im Ländervergleich liegt Niedersachsen bei der Gesamtzahl der Verfahren laut Behrens weiterhin auf Platz 2.

48,85 Millionen Euro Schaden, 5 Millionen Euro abgeschöpft

Der hochgerechnete Schaden lag 2025 mehr als doppelt so hoch wie im Lagebild für 2024, das 18,26 Millionen Euro nannte. Unter dem Niveau bis 2023 bleibt er laut den Ministerien aber deutlich. Den Ertrag schätzen die Behörden auf 27,72 Millionen Euro, nahezu konstant. Die Sicherheitsbehörden schöpften etwa 5 Millionen Euro ab, ein Jahr zuvor etwa 7,5 Millionen Euro.

Wahlmann sprach von einem „klaren Signal“: „Wer Verbrechen begeht, dem nehmen wir alles, was er daraus erlangt hat: auch die Rolex und das tiefergelegte Luxusauto.“ Der Bund Deutscher Kriminalbeamter in Niedersachsen setzt einen anderen Akzent. Er kritisiert, dass bislang nur ein Bruchteil der kriminell erlangten Vermögenswerte abgeschöpft werden konnte, und verlangt mehr Personal und moderne Technik für die Kriminalpolizei. „Rückläufige Fallzahlen dürfen nicht über die wachsenden Herausforderungen der Organisierten Kriminalität hinwegtäuschen“, schreibt Stefan Franz, stellvertretender Landesvorsitzender.

Clanbezüge, Cybercrime, Gewalt im Auftrag

Mit Clanbezügen zählt das Lagebild acht Verfahren gegen 102 Tatverdächtige. 62 Prozent der Aktivität lagen im Bereich Wirtschaftskriminalität. Bei Cybercrime waren es wie im Vorjahr vier Verfahren.

Weiter in den Fokus rückt laut den Ministerien „Violence-as-a-Service“: Zumeist unerfahrene Jugendliche und junge Erwachsene würden im Internet für schwerste Gewalthandlungen angeworben. Typische Delikte seien Gewalt gegen Personen sowie Gewalt gegen Gebäude mit Spreng- oder Brandvorrichtungen und Schusswaffen. Zunehmend würden in Niedersachsen Straftaten bekannt, die Überschneidungen damit und mit der vom Bundeskriminalamt so bezeichneten „Türkischstämmigen Organisierten Kriminalität“ aufwiesen. Für 2025 ordnet die Statistik der Türkischstämmigen Organisierten Kriminalität noch kein Verfahren eindeutig zu.

Göttingen: 49 Tatverdächtige nach dem 13. Juni

Das Lagebild betrifft das Jahr 2025. Nach den Auseinandersetzungen vom 13. Juni 2026 richtete die Polizeiinspektion Göttingen eine Mordkommission ein. Die Polizeidirektion Göttingen meldete am 25. Juni Ermittlungen gegen 49 Tatverdächtige wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs sowie ein versuchtes Tötungsdelikt zum Nachteil eines 26-jährigen Polizisten. Die Großfamilien seien dem Phänomenbereich der Clankriminalität zuzuordnen. Die Ermittlungen erfolgten in enger Abstimmung mit der Zentralstelle zur Bekämpfung krimineller Clanstrukturen bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Zu den Aufenthaltsverboten und Meldeauflagen danach: Weender Tor: Gericht stoppt Meldeauflage und Aufenthaltsverbot vorerst.

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